Von der Schlei nach Hawaii

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Vor 11 Monaten kam mir die verrückte Idee in den Kopf, dass es doch cool wäre, ein Auslandsjahr zu machen – natürlich zum Windsurfen. Oder zumindest ein halbes Jahr. Dabei war ich doch erst 13. Hm, geht das? Ich habe als erstes meine Eltern gefragt, was sie davon halten und sie waren tatsächlich sofort begeistert. Allerdings haben sie gemeint, das müsse ich schon selber organisieren. Sie würden mir aber immer helfen. So, wohin soll es gehen? Eines war klar: Es muss ein Ort sein, an dem es Wellen und Wind gibt. Und das fast jeden Tag! Pozo?  Geht nicht, ich kann kein Spanisch. Irgendwie kam für mich dann nur noch ein Ort in Frage: MAUI!! Doch ist das möglich? Ist das nicht ein bisschen übertrieben? Meine Eltern haben mich dann motiviert, es einfach zu probieren. Sie sagen immer, es gibt nichts, was nicht geht. Mein Segelsponsor ist Hot Sails Maui und damit war eigentlich klar, wen ich anschreibe. Also habe ich Jeff Henderson gefragt, ob er nicht einmal rumfragen könnte, ob es eine Familie auf Maui gibt, die Lust hat, mich für ein halbes Jahr aufzunehmen. Er hat dann ziemlich schnell geantwortet, dass er das gerne probiert. Wenige Tage später meldete er, es gäbe da eine Familie. Wahnsinn, das Vorhaben nimmt tatsächlich Formen an. Jetzt kamen wir in Bewegung: Was kostet das alles, wie komme ich nach Hawaii, was ist mit Schule? Zu meinem großen Glück lebt meine Patentante in L.A. und arbeitet für Lufthansa. Da auch sie von der Idee super begeistert war, hat sie sofort angeboten, mich hier abzuholen und preiswert nach Maui zu transportieren. Ich habe dann eine ganze Weile nichts mehr von Jeff gehört – wusste ja nicht, dass in Amerika 3 Monate Sommerferien sind – und hatte die Aktion schon ein wenig als gescheitert angesehen. Doch während unseres Sommer-Segeltörns kam aus Hawaii die Nachricht: Kann los gehen, du kannst bei uns wohnen. Wow, direkt am Strand in Sprecks. Ich konnte es gar nicht glauben. Das überstieg alle meine Wünsche. Gleich nach den Sommerferien haben wir dann erst mit Jeff geskypet und danach mit meiner Schulleiterin gesprochen. Die war auch begeistert und hat sofort grünes Licht gegeben.

Ganz so einfach sollte es dann aber doch nicht sein: So ein Visum zu bekommen, schien uns nur eine Formalität zu sein. Von wegen. Beim ersten Termin in Berlin hatte mich der Officer mit den Worten: ‚Du bist noch schulpflichtig‘, abgelehnt. In meinen Gedanken war ich doch eigentlich schon auf Maui und jetzt so etwas. Die Hoffnung habe ich aber nie aufgegeben. Alle, die nur ein bisschen an dem Projekt beteiligt waren, haben recherchiert, telefoniert und E-Mails geschrieben. Das Kultusministerium, die GWA, Rechtsanwälte, der Olympia Stützpunkt Schilksee und sogar der Honorarkonsul von Hawaii wurden mit einbezogen. Alle wollten helfen, aber keiner wusste wie und ob es überhaupt eine Lösung gab. Als wir in den Herbstferien in Klitmöller waren, haben wir den entscheidenden Hinweis  bekommen und mich umgehend bei einer deutschen Homeschooling-Schule angemeldet. Damit und mit einer Reihe von weiteren ergänzenden Visa- Informationen sollte es klappen.

Am Freitag, der 13. November, war dann mein zweiter Termin im Konsulat. Diesmal war ich also deutlich besser vorbereitet, aber trotzdem unglaublich aufgeregt. Als würde von diesem Termin der Rest meines ganzen Lebens abhängen. Und tatsächlich musste ich dem Beamten sehr viel mehr erklären und hatte ständig Sorge, er würde mir einfach nicht glauben.

Schließlich reichte er mir meine ganzen Unterlagen zurück und behielt den Reisepass. ‚Das Visum ist bestätigt‘ war der alles erlösende Satz. Doch bis ich mein Glück herausschreien durfte, musste ich noch erst die Botschaft verlassen. Nicht das die sich das nochmal anders überlegen. Erst draußen auf der Straße konnte ich mich so richtig freuen, denn:Visum

Jetzt geht es tatsächlich los!!

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